Die Reise in das vergessene Glück Info-Literatur

Die Reise in das vergessene Glück

Exposé zum zehnbändigen Romanzyklus

Hamburg, 2010-2015

Der Romanzyklus Die Reise in das vergessene Glück erzählt die lange Geschichte einer Trennung: Der Ich-Erzähler Peter Kellermann, Journalist und Autor, verlässt Frau und Kind, um folglich immer wieder in die gemeinsamen Wohnungen im noblen Hamburger Westen zurückzukehren und dort von der Vergangenheit seiner selbst erwartet zu werden.
Seine unzähligen Rückkehren verbinden sich mit dem Aufsuchen der Orte und Menschen, wo und bei denen er einmal Zuhause gewesen ist: Elternhaus am Oberrhein, Wohnungen und Buchhandlung in Berlin, Hausboot in Paris, New York, aber vor allem das Binnenschiff seiner Kindheit, Rimbaud getauft. Wie damals der Vater den Frachtkahn navigiert er heute Segelboote und Schiffe jeglicher Art durch das Leben, von Insel zu Insel, von Ort zu Ort, um einen neuen Platz in der Welt zu finden. An Bord ist er Zuhause und zugleich unterwegs auf Fluss und Meer, mit utopischen, Glück oder Hässlichkeit verheißende Häfen als Ziel: Catania, Timbuktu , Khotombo, Gloucester oder Glennfield. Er muss Stürme und Flauten meistern, oder wird von Hindernissen wie geschlossenen Schleusentoren aufgehalten. Trotz aller klangvoller Namen der Reiseziele kommt Kellermann vermutlich immer wieder in seinem Heimatort Plittersdorf an. .
Die Leitmotive der Trennung, des Bloch’schen Stirb und Werde, sowie der Umkehr durchziehen alle zehn Bände. Aneinanderreihungen von Ereignissen führen immer wieder zur Rückkehr in alte Verhältnisse. In Variationen kehrt der Protagonist tatsächlich ständig in den Ort am Oberrhein zurück, jenem von Tretminen und Fallen durchsetzten Gelände einer Heimat, in das Elternhaus, wo sich Erlebnisse aus der Kindheit wiederholen. Sie haben sich im Schatten eines Vaters ereignet, der seinen Sohn als seinen Besitz betrachtet hat. Dieses Alte aber erlebt er in der Wiederholung als neu, so wie die Ereignisse aus der Vergangenheit in der Gegenwart immer anders sind.
Seine Reisen per Schiff, Flugzeug oder Bahn bringen Peter Kellermann, Nomen est Omen, in die Niederungen seiner Existenz, in die Zentren der Konflikte mit seiner Ex-Frau, bei denen die Liebe auf der Strecke blieb und die zur Trennung führten: Früher Schwangerschaftsabbruch, Überforderung im Alltag mit Kind… Spätestens seit Ingeborg Bachmann wissen wir, dass Menschen nicht nur am Tod sterben, sondern auch an seelischen Grausamkeiten. Im 9. Band leistet er bei seiner früheren Lebensgefährtin Abbitte für seine Ausbrüche und Unbedachtheiten.
Glück aber erlebt er, wenn er mit dem Menschen zusammenfindet, den er immer wieder aus den Augen verliert, seine Tochter Minna. Und Glück erfährt er durch die Verwandlung der brutalen Wirklichkeit durch die Kunst: „Sechs, sieben Leute hätten mit ihrer Musik den Machthaber von seinem Thron gestürzt, jetzt spielten sie befreit auf…. Beim Umsturz sei kein Blut geflossen, es wäre eine friedliche Machtübernahme mit und durch Musik gewesen.“ (Band 8: Inseln der Einsamkeit) Bei den Auseinandersetzungen geht es also in allen Bänden immer wieder um den Versuch des Protagonisten, sich zu befreien mittels der Kunst. Am Ende notiert er unter die letzte Passage von Hand: Die Mutter ist still und zufrieden. Sie hat ihren Sohn gefunden. Er aber, der Junge, er rebelliert weiter… Er wird also an anderer Stelle weitere Befreiungsversuche unternehmen.
Formales und Stilistisches. Schreiben ist für mich die Entzifferung von Schriftzeichen eines Urtextes. Für den unsichtbaren Urtext versuchen die zehn Bände in immer neuen Abwandlungen einen Ausdruck zu finden. Formal setzen sich die Romane aus vielen Elementen zusammen: Den Beschreibungen von Fotos, vor allem Nahaufnahmen von Menschen, aber auch welche von Menschen mit ihren Nächsten und in bestimmten Lebenssituationen. Aus Filmen der Erinnerung. Aus Beschreibungen von Gemälden, aus Artikeln, aus Theaterszenen, aus Hörfunk Manuskripten und Produktionen… Entsprechend der großen Thematik Trennung ist die Geschichte nicht linear von A bis Z erzählt, vielmehr ist der künstlerische Schaffensprozess in die Produktion von Hörstücken übertragen. Der Protagonist produziert sich, anders gesagt, stellt sich selbst dar, mittels von Dekonstruktionen. So bestimmen Schnitte und Montagen unseres Medienzeitalters die Erzählweise, auch die eigenwilligen Figuren mischen sich ein und können mitunter die Vorhaben des Erzählers durchkreuzen, wie das auch der Tod im Leben der Menschen tut.
Spielanordnungen: Beim Erstellen des Textes spielt ein Autor, etwa Karten, mit einem Gegenüber, der er selbst ist. Meines nenne ich Peter Kellermann. Manche sagen auch, ein Autor spiele Pingpong mit sich selbst. In einem Roman habe ich aber beispielsweise jeweils verschiedenartige Figuren für das Spiel z ur Verfügung, eine steht von Anfang an auf dem Feld, der Erzähler Kellermann. Der zweite Mitspieler ist in diesem Fall der Spielleiter, der Hörfunkregisseur. Eine Spielregel lautet, wie beim „Mensch ärgere dich nicht“: Jede neu auf das Feld gesetzte Figur verdrängt die vorherige. In anderen Romanen gelten wiederum andere Regeln.Die Rolle der Musik: Die Romane bewegen sich im Rhythmus des Jazz, mal bluesiger, mal fetziger und zerrissener, mal rockiger… Die Hauptmotive der Trennung und der Umkehr werden in Variationen verfremdet und in veränderter Form wieder zurückgeführt. Die Erzählstränge, wie etwa der Nichtraucher peu à peu wieder zum Raucher wird, entwickeln sich in chronologischer Reihenfolge der Bände. Jeder Band ist aber zugleich eigenständig. Die hier aufgeführten sind fertig gestellt. Stand Februar 2015: Die noch fehlenden sind geschrieben, jedoch noch zu überarbeiten.
 
Band 1 – Das Glück der Glücklichen (2010) – umfasst ca. 170 Seiten
Band 2 – Die Raucher, Eine Art Familienchronik (2011) – ca. 100 Seiten.
Band 5 – Am Ende entlang (2012) – ca. 150 Seiten
Band 6 – Alles beim Alten (2013) – ca. 165 Seiten
Band 7 – Kellermann (2014) – ca. 170 Seiten
Band 8 – Inseln der Einsamkeit – (2014) ca. 150 Seiten
Band 9 – Die Abbitte (2014) – ca. 120 Seiten
Band 10 – Epilog: Ortswechsel (2014, 2015) – ca. 55 Seiten